Info-Veranstaltung zur Medizinstrategie erfüllt nicht die Erwartungen

Das Gute vorweg: Aufsichtsratschef Hauke Jagau hat zu Anfang der Veranstaltung bekannt gegeben, dass die Geburtsklinik vermutlich erhalten bleibt. SPD und Grüne der Region diskutieren zurzeit über dieses Thema und Stand der Dinge sei, dass man sich vermutlich auf den Erhalt einigen werde, so Jagau.

Ca. 500 Leute kamen zur Dialog-Veranstaltung der Region Hannover um sich zu informieren, wobei ein nicht kleiner Anteil offenbar hauptsächlich ihrem Ärger Luft machen wollte.

Bei der moderierten Veranstaltung  gab Moderator Tim Schlüter dem Publikum die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Nach einer Einführung durch Jagau und Barbara Schulte, Geschäftsführerin des KRH und für Finanzen zuständig, kam es zur offenen Diskussion. Statt Fragen gab es aber auch immer wieder langatmige Statements und entsprechende Antworten, die viele Wiederholungen enthielten.

Regionspräsident Hauke Jagau

Aufsichtsratsvorsitzender Hauke Jagau

Die Stimmung in der Sporthalle war von Anfang an angespannt. Jagau und Schulte erklärten die Ziele des Strategiepapiers und hatten Mühe, den Anwesenden verständlich zu machen, dass es sich nicht um eine Schließung, sondern um einer Zusammenlegung der Häuser Lehrte und Großburgwedel handele. „Der nordöstliche Standort steht nicht in Frage“, versuchte Jagau zu beschwichtigen. Nur wenn es gelinge, die beiden Häuser Großburgwedel und Lehrte in einem größerem Neubau mit ca. 400 Betten zusammen zu legen, werden die beiden Krankenhäuser schließen. Der Neubau sei irgendwo in der nordöstlichen Region vorgesehen.  „Es wäre gut möglich, dass das neue Krankenhaus hier in Burgwedel entsteht“, meinte Jagau.

Podium

Die Podiumsteilnehmer v.l.: Prof. Dr. Leititis, Barbara Schulte, Hauke Jagau, Tim Schlüter

Wenn dieser Plan der Zusammenlegung sich nicht erfüllen lasse, werden die beiden Häuser bestehen bleiben und man müsse sich nach anderen Möglichkeiten umschauen, wie man sie fit für die Zukunft mache. Eine Veränderung sei aber unabdingbar. Diese sei nötig, da man auf die zunehmende Spezialisierungstendenz reagieren müsse. Wenn die Patienten die Möglichkeit haben sich zu informieren, dann nehmen sie längere Wege in Kauf und suchen Fachkliniken auf, die auf ihre Problematik spezialisiert seien, so Jagau.

Impressionen aus dem Publikum

Viel Kritik aus dem Publikum

Vom Publikum hagelte es fortwährend Proteste. Kritische Wortmeldungen wurden mit Applaus bedacht und Antworten des Podiums eher ungeduldig kommentiert.  Auch der Moderator bekam sein Fett weg, hätte sich nach Meinung einiger Zuschauer mehr zurückhalten und mehr Fragen zulassen müssen.

MdL Rainer Fredermann (CDU)

Rainer Fredermann (MdL)

Immer wieder wurde nach den konkreten Zahlen gefragt. Welche Häuser des Klinikverbundes tragen wieviel zum 20 Mio.-Defizit bei? Auch Landtagsabgeordneter Rainer Fredermann (CDU) wollte erfahren, welches Haus im Verbund wirtschaftlich sei bzw. Verlust einfahre.

 

KRH Geschäftsführerin Barbara Schulte

Barbara Schulte, KRH

Diese Fragen wollte Schulte aber nicht beantworten. Man werde die Häuser nicht gegeneinander ausspielen. Es ginge beim Konzept vielmehr darum, den gesamten Klinikverbund der Region zukunftsfähig zu machen. Jagau fügte hinzu, dass man den Klinikverbund verantwortungsbewusst so aufstellen müsse, dass er auch künftig nicht privatisiert werden müsse. Eine Privatisierung würde auch für die Beschäftigten negative Konsequenzen haben, da private Träger oftmals bei den Löhnen einsparen.

Besonders langen Beifall erhielt Dr. Dagmar Klatt, Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe des Krankenhaus Burgwedel.  Sie zeigte sich erfreut über die derzeitige Diskussion der Regions-GRÜNEN und -SPD, welche zum Erhalt der Geburtsklinik tendieren. Sie verwies aber auch darauf, dass die Gynäkologie für Frauen genauso wichtig sei und diese für die nordöstliche Region erhalten bleiben müsse. Für sie sei es nicht nachvollziehbar, weshalb die Station schon nächstes Jahr schließen solle. Die Frauen in der nordöstlichen Region hätten einen Anspruch auf eine wohnortnahe Versorgung bei gynäkologischen Notfällen.

Zahlreiche Plakate, Banner und ausgedruckte Statements schmückten die Halle. Unter den Anwesenden befanden sich Kommunal- und Regionspolitiker sowie der Bundestagsabgeordnete Dr. Hendrick Hoppenstedt.

Viele Zuschauer gingen unzufrieden nach Hause, waren enttäuscht von den Antworten oder weil sie nicht ausreichend zu Wort kamen. Die Veranstaltung hat jedoch gezeigt, dass alle Argumente ausgetauscht sind, die Meinungen aber trotzdem auseinander bleiben. Die Frage der Geburtsklinik muss schnellstens beantwortet werden, damit die Beschäftigten und werdende Mütter Planungssicherheit haben. Was den Krankenhaus-Neubau angeht, wird es weiter kontroverse Meinungen geben, daran würden auch weitere Dialogveranstaltungen nichts ändern.

Am 16. Dezember wird die Regionsversammlung eine Entscheidung treffen. Der Prüfauftrag wird dann vermutlich verabschiedet und erst dann wird die Machbarkeit eines Neubaus geprüft.

Zur Fotostrecke der Veranstaltung

Fotos: Petra Bredemeier

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