Wie gefährlich ist der Wolf?

Der Wolf ist zurück in unseren heimischen Wäldern – eine Bedrohung oder eine Bereicherung für die hiesige Tierwelt?

Vermehrt wurde in den letzten Wochen das Wolfspaar im Fuhrberger Wald von Anwohnern gesichtet. Zwar wurden keine Vorfälle zwischen dem Isegrim und Menschen gemeldet, dennoch: „Wie soll man mit den Bedenken und Sorgen der Bewohner der Region umgehen?“.

Um diese Frage von verschieden Blickwinkeln zu erläutern, luden die Jusos der Region Hannover am Donnerstagabend zu einer offenen Podiumsdiskussion ins Amadeus in Isernhagen.

wolfDurch die Veranstaltung führte Phillip Neessen von den Jusos. Eingeleitet wurde die Runde durch die Präsentation „Der Wolf in Deutschland“ durch den Wolfsbotschaftler Peter Griemberg vom NABU. „Der Wolf wird dauerhaft nach Deutschland zurückkehren – wenn wir ihn lassen!“ so Griemberg. Dabei stellt er auch klar, dass es falsch ist Wolfsromantik aufkommen zu lassen und ermahnt zum bewussten Miteinander mit dem Tier. Diese Ansicht vertritt auch Bürgermeister Axel Dücker und spricht sich klar für mehr Aufklärung in Kindergärten und Schulen aus. Er erhofft sich einen ruhigen, gelassenen und vor allem emotionslosen Umgang mit dem Thema Wolf – das durch Fabeln und Märchen geprägte Bild des Tiers muss ersetzt werden.

Klar wird im Laufe der Runde allerdings auch, dass die Rückkehr des Tieres für die Landwirtschaft eine Gefahr darstellen kann. So begrüßt Jörg Heuer (Landwirt und Diplom Ingenieur) den Populationszuwachs der Wölfe in Niedersachen, erwähnt allerdings auch die Bedrohung für Nutztiere wie Schafe. Betroffene Halter werden durch eine Förderkulisse entschädigt, momentan sind diese Gelder für das Land Niedersachsen jedoch noch nicht genehmigt und die Bearbeitung der einzelnen Fälle sehr langwierig. Würden mehr Förderungen bereit stehen, so ist sich Dr. Thomas Spon (Jägermeister der Region Hannover) sicher, würde das mediale Interesse abnehmen und keine künstliche Aufbauschung mehr stattfinden. In diese Förderung wird die Region Hannover jedoch demnächst aufgenommen, verrät Thomas Behling (Förster aus Fuhrberg und Wolfsbeauftragter), sodass auch Mittel für präventive Maßnahmen zur Verfügung stehen werden.

Nun wird aber auch deutlich: man muss erst wieder lernen mit dem Wolf in der Region zu leben, schließlich war er viele Jahrzehnte aus unserer Artenvielfalt verschwunden.

Wer sich Informationsmaterial wünscht oder an eine Aufklärungsstunde in Schulen und Kindergärten zum Thema Wolf interessiert ist, kann sich gern an den NABU wenden. Zusätzlich ist es eine zweite Podiumsdiskussion in Burgwedel von den Jusos angedacht.

Wir haben eine kleine Umfrage erstellt und würden uns über Ihre Meinung freuen:

[socialpoll id=“2254196″]

Fragen und Antworten

Stellt der Wolf eine Bedrohung für die Menschen dar?
Menschen gehören nicht zum Beuteschema des Wolfes. Begegnet man einem Wolf im Wald, sollte man ihm gegenüber stets respektvoll auftreten, jedoch niemals panisch reagieren. Hunde sollten an der Leine gehalten werden, andernfalls könnten sie Kontakt zu ihrem neuem „Spielfreund“, dem Wolf, aufnehmen. Auch berichtet ein Fuhrberger Bürger von zwei Begegnungen mit den Wölfen, die vollkommen harmlos und ungefährlich abliefen.

Wird aus dem Wolfspaar ein Rudel entstehen?
Experte Thomas Behling geht davon aus, dass es im nächsten Jahr eine Reproduktion geben wird. Klar ist aber auch, dass die Wälder in der Region zu klein sind, um einen Lebensraum für große Wolfsrudel zu bieten.

Nimmt der Wolf den Jägern die Arbeit ab?
Jein. Zwar reißt der Wolf in unserer Region vor allem Rotwild, jedoch in einer weitaus geringer Anzahl als der Jagdkatalog vorsieht. Beispielsweise reißt der Wolf 2 Rehe pro 100qm und Jahr, den Jägern ist es hingegen erlaubt 10 der Tiere auf der gleichen Fläche zu erlegen.

Darf der Wolf gejagt werden?
Gegenwärtig steht der Wolf unter Artenschutz und es ist anzunehmen, dass sich dieses in den nächsten Jahren nicht ändern wird. Um seinen „Status“ zu ändern, bedarf es einer stabilen Population. Sollte diese Zahl erreicht sein und der Wolf eine Gefahr für andere geschützte Tiere darstellen, kann darüber entschieden werden, ihn in den Jagdkatalog mit aufzunehmen.

Foto und Text: Laura Thomas
Wolf-Bild: „Canis lupus“ von Bernard Landgraf - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons

Wie möchten Sie kommentieren?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Loading Facebook Comments ...