Änderung der Schulbezirke passiert den Stadtrat

Einige Großburgwedeler Kinder dürfen in Zukunft in Kleinburgwedel zur Schule gehen. Die entsprechende Änderung der Schulbezirke wurde heute vom Stadtrat Burgwedel beschlossen und wird bereits für die Schüler des Jahrgangs 2016/17 wirksam.

In einem offenen Brief an die Mitglieder des Stadtrates hatten die Elternvertreter verschiedener Großburgwedeler Kindergärten noch kurzfristig für eine Ablehnung der nach langer Diskussion im Schulausschluss beschlossenen Satzungsänderung geworben. Im Durchschnitt der nächsten fünf Jahre, so die Elternvertreter, würde der Rückgang der Schülerzahlen das aktuell vorherrschende Platzproblem in Großburgwedel von selbst beseitigen.

Der Stadtrat fällte viele Beschlüsse einstimmig - die Änderung der Schulbezirke gehörte nicht dazu.

Der Stadtrat fällte viele Beschlüsse einstimmig – die Änderung der Schulbezirke gehörte nicht dazu.

Wie in der letzten Sitzung des Schulausschusses wurde seitens der Verwaltung vorgetragen, dass die aktuelle erste Klasse zum Schuljahreswechsel ebenso wie der neue Jahrgang 2016/17 fünfzügig werden wird und die Grundschule Großburgwedel nicht über ausreichend Räumlichkeiten verfügt. Die Schule in Kleinburgwedel verfügt dagegen über genug Räume für eine vollständige Zweizügigkeit und bietet trotzdem noch genug Platz für pädagogische Kleingruppenarbeit und die gezielte Förderung aller Schülerinnen und Schüler.

Die Ratssitzung zur Schulbezirksänderung wurde von den Zuschauern mit Interesse verfolgt.

Die Ratssitzung zur Schulbezirksänderung wurde von den Zuschauern mit Interesse verfolgt.

Der Beschluss fiel den Mitgliedern des Stadtrates nicht leicht, trotzdem folgte er mit 22 zu 4 Stimmen (3 Enthaltungen) schließlich der Empfehlung des Schulausschusses.

Der erstmals in der Schulausschusssitzung vom 12.2.2015 öffentlich vorgestellte Änderungsantrag wurde seitdem sehr emotional diskutiert. Selbst Befürchtungen, die Änderung könnte die Immobilienpreise in Großburgwedel verfallen lassen, kamen zur Sprache, der Großteil der Eltern sorgte sich allerdings eher um den sicheren Schulweg der Großburgwedeler Kinder. Den Stadtelternrat erreichten rund 80 Stellungnahmen, in denen die Neuerung teils begrüßt, teil kritisiert wurde.

Selbst einige nicht betroffene Eltern – darunter Bürgermeister Axel Düker – würden ihr Kind lieber in die Schule in Kleinburgwedel schicken. Ihnen bleibt – ebenso wie Großburgwedeler Eltern, die Kleinburgwedel als Schulstandort ablehnen – nur der Weg über einen Ausnahmeantrag an die zuständige Schule.

Jetzt obliegt es dem Amt für Familie, Bildung und Soziales, zusammen mit Regiobus eine praktikable Lösung für die Beförderung der etwa 15-20 betroffenen Schüler zu finden. Dabei können sie auf langjährige Erfahrungen aus Engensen zurückgreifen, denn die dort ansässigen Grundschüler werden bereits seit Jahren in Thönse unterrichtet.

Kommentare

Pro Schulbeziksänderung von Sebastian Willing

Der Rat hat richtig entschieden: Eine überfüllte Schule ist kein guter Ort für den Start ins Schulleben. Meine Tochter geht in Thönse zur Schule und in Großburgwedel zum Ballett und Kinderchor. Sie hat Freunde in allen drei Gruppen gefunden und würde sich freuen, mit dem Bus zur Schule fahren zu können. Erstklässler haben – auch ohne Integrationskinder – ein sehr unterschiedliches Lerntempo und die zur Verfügung stehenden Kräfte brauchen die (Frei-)Räume, um mit allen Kindern optimal arbeiten zu können.Die Diskussion wurde teilweise sehr unsachlich und realitätsfern geführt, aber Verwaltung, Schulausschuss und Rat haben geduldig die immer gleichen Fragen beantwortet. Ich hätte mir lediglich gewünscht, dass Frau Concilio freiwillig frühzeitig – bestenfalls vor der Schulausschusssitzung vom 12.2. – auch die Elternvertreter der Kindergärten informiert hätte, selbst wenn dafür keine gesetzliche Verpflichtung existiert.

Contra Schulbezirksänderung von Stephan Nikolaus

Die Argumente für und gegen eine Änderung der Schulbezirksgrenzen sind auf beiden Seiten nachvollziehbar. Es wird den Kindern auch ganz bestimmt nicht schlecht gehen in Kleinburgwedel. Aber die Entscheidung hat einen bitteren Beigeschmack, denn hier wurde im Hauruck-Verfahren eine grundlegende Änderung beschlossen, die die Schullandschaft in Burgwedel dauerhaft verändert. Ist die Entwicklung wirklich so unverhofft eingetreten und die Not mittlerweile so groß? Hier gehen die Meinungen auseinander. Fakt ist: Betroffene Kindergarteneltern wurden nicht vorab informiert. Viele haben erst in der Zeitung von den Plänen erfahren, als das Thema bei der ersten Ausschusssitzung vertagt wurde. Ginge es nach der Verwaltung, wäre schon damals die Entscheidung gefallen.

Es geht hier um die Art und Weise. So geht man nicht mit den Eltern um, seien deren Sorgen auch teils übertrieben oder gar unbegründet. Bürgernähe sieht anders aus. Der Rat hätte ein Zeichen setzen und der Verwaltung klarmachen sollen: So nicht! Mit einer Verschiebung um ein Jahr wäre das Problem natürlich nicht gelöst, aber zum einen hätte man Eltern in dieser Zeit viele Sorgen und Ängste nehmen können, zum anderen auch Alternativen gründlicher prüfen können. Das Schreckgespenst Schulconatiner in Großburgwedel bei Fünfzügigkeit darf nicht als Argument  dafür herhalten, eine Minderheit zu benachteiligen und sie bei der Entscheidung so gut wie gar nicht einzubeziehen.

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