Mit dem Beginn der Ferien wird die Aktion „Helfen statt Gaffen“ vorgestellt

Die Freiwillige Feuerwehr Lehrte zeigte das Vorgehen zur Befreiung einer Person aus einem verunglücktem fahrzeug.Foto: Michael Baumgart

Boris Pistorius, niedersächsischer Minister für Inneres, hatte am heutigen Mittwoch, 21. Juni 2017, zum Ferienanfang in Niedersachsen zu einer konzertierten Aktion unter dem Motto „Helfen statt Gaffen“ auf die Tank- und Rastanlage „Lehrter See“ (TuR) eingeladen.

Am morgigen Mittwoch, 22. Juni 2017, starten in Niedersachsen – wie in den kommenden Tagen auch in vier weiteren Bundesländern – die Sommerferien. In den nächsten Wochen ist daher deutlich mehr Verkehr insbesondere auch auf den niedersächsischen Autobahnen zu rechnen.

Das Niedersächsische Ministerium für lnneres und Sport und seine Kooperationspartner im Bereich Verkehrssicherheit nahmen den Ferienanfang in Niedersachsen am heutigen Mittwoch somit zum Anlass, gemeinsam an die Öffentlichkeit zu appellieren, auch bei den oft stressigen und langen Autofahrten wachsam für die Notsituationen anderer zu bleiben. "Wer schon einmal eine Panne hatte oder an einem Unfall beteiligt war, weiß wie wichtig es ist, schnell und effektiv Hilfe zu bekommen", so Boris Pistorius.

"Die Aktion ‚Helfen statt Gaffen’" steht dabei für zahlreiche Möglichkeiten, mit denen wirklich jeder in Notfällen schnell Helfen kann. Einfache aber effektive Maßnahmen sind etwa das Absetzen eines Notrufes, die Einleitung von Erste-Hilfe-Maßnahmen oder die richtige Bildung der Rettungsgasse nach dem Motto ‚linke Spur links, alle anderen rechts‘. Überhaupt nicht akzeptabel ist, wenn aus reiner Sensationsgier und Wichtigtuerei Rettungskräfte behindert werden und dabei sogar noch gefilmt und fotografiert wird."

Mit der Aktion "Helfen statt Gaffen" kooperiert das Niedersächsische Innenministerium, die Polizei Niedersachsen und der Landesfeuerwehrverband Niedersachsen, mit dem Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V., dem ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt, sowie der Landesverkehrswacht Niedersachsen e.V..

Gemeinsam wurde hierzu ein Film erstellt, in dem der Minister, Vertreterinnen und Vertreter der einzelnen Kooperationspartner, sowie persönlich Betroffene ihre Erlebnisse in derartigen Situationen schildern. Der Film appelliert eindringlich an alle Verkehrsteilnehmer im Notfall aktiv zu "Helfen" statt lediglich zu "Gaffen". Der Film verdeutlicht eindrucksvoll, dass Entschlossenheit, Hilfsbereitschaft und Rücksichtnahme tatsächlich lebensrettend sein können. Er ist ab heute unter anderem abrufbar unter www.landesverkehrswacht.de.

Der Bereichsleiter für Einsatzdienste der Johanniter im Landesverband Niedersachsen/Bremen, Thorsten Ernst sagte hierzu: "Die Praxis zeigt leider immer wieder, dass Gaffer uns im Einsatz behindern und dadurch entscheidende Sekunden verstreichen. Früher waren es meist nur Schaulustige am Rande, heute wird vielfach direkt mittendrin fotografiert und gefilmt, um das Ganze anschließend im Internet zu verbreiten. Das ist respektlos gegenüber Opfern und Rettungskräften und kann im Zweifel Leben kosten."

Bernward Franzky, Vorstand für Verkehr im ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt warnt zudem: "Ist ein Rettungshubschrauber im Einsatz, geht es zumeist um Leben und Tod. Umso schlimmer finde ich es daher, dass auch diese Einsätze immer häufiger behindert werden. Egal ob auf der Autobahn oder im Wohngebiet, ein Helikopter braucht ausreichend Platz zum Landen, ein Mindestabstand von 50 Metern muss sein."

Dr. Erwin Petersen, Vizepräsident der Landesverkehrswacht, fügte hinzu: "Es wird kaum Rücksicht auf die Opfer oder das Leid der Angehörigen genommen. Unfallopfer sind häufig schneller im Internet zu sehen, als auf dem OP-Tisch. Die zunehmende Skrupellosigkeit der Gaffer wird immer mehr zu einer Belastung für Polizei, Feuerwehr, Arzte und Sanitäter. Die Schaulustigen vergessen offenbar: Sie selbst oder einer ihrer Angehörigen könnten auch das Opfer am Unfallort sein."

Stellvertretend für die haupt- und nebenamtlichen Feuerwehren in Niedersachsen führte die Freiwillige Feuerwehr Lehrte gemeinsam mit der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. und der Polizei Niedersachsen ihren Ausbildungs- und Ausrüstungsstand mit einer Personenrettung aus einem verunfallten Fahrzeug vor.

Die Lehrter Feuerwehrmänner und -frauen kommen aufgrund ihres Einsatzgebietes häufig bei Verkehrsunfällen auf der A2 und A7 zum Einsatz. Das Team kennt die Auswirkungen unvorsichtiger und rücksichtsloser Verhaltensweisen im Straßenverkehr also aus erster Hand. 2016 wurden die Lehrter Feuerwehrmänner und -frauen für ihre beeindruckende Arbeit mit dem "Magirus Award" als Feuerwehr- Team 2016 ausgezeichnet.

Neben dem Lehrter Landtagsabgeordneten Dr. Hans-Joachim Deneke-Jöhrens verfolgten die SchülerInnen der Klasse 9 der Sekundarschule Ciervisti aus Zerbst aufmerksam die Demonstration der Personenrettung. Lehrerin Elke Wichmann war an diesem Tag mit ihren Schülern im Rahmen eines Projekttages zufällig zu einer Rast auf der TuR-Anlage.

"Die Feuerwehren in Niedersachsen stehen für eine schnelle Hilfe – wenn man uns zur Einsatzstelle durchlässt", so Karl-Heinz Banse, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen.

"Es hilft uns und allen Beteiligten, wenn wir unsere Aktivität auf die Hilfe für die Betroffenen konzentrieren können, und nicht noch zusätzliches Personal zum Absperren oder gar Fernhalten von Gaffern einsetzen müssen, insbesondere empfehle ich allen Urlaubern entspannt und ohne Eile zu fahren", so Minister Pistorius. "Die Erholung sollte schon während der Fahrt im Auto und nicht erst am Urlaubsort beginnen. Ohne unnötige Hetze und mit regelmäßigen Pausen kann schon die Fahrt mit der Familie in den Urlaub eine tolle und entspannte Angelegenheit sein."