FDP-Regionsfraktion diskutiert über Neuaufstellung des Nahverkehrsplans 2020 der Region Hannover

Diskussion über neue Infrastrukturvorhaben der Region Hannover zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV.

Die FDP-Fraktion Region hat im Rahmen einer eigenen Fraktionsfachtagung zur Neuaufstellung des Nahverkehrsplans 2020 der Region Hannover über zukünftige Anforderungen an Infrastruktur und Verkehrsangebot im ÖPNV angesichts stark ansteigender Fahrgastzahlen im Großraum Verkehr Hannover (GVH) diskutiert. Im Podium waren der Verkehrsdezernent der Region Hannover Ulf-Birger Franz (SPD), der Leiter des Teams Verkehrsentwicklung und -management bei der Region Hannover, Klaus Geschwinder, und der Pressesprecher der Moia GmbH, Michael Fischer, vertreten.

Fazit der FDP-Fraktion: Neben Angebotsverbesserungen im Gebiet der stetig wachsenden Landeshauptstadt Hannover und der Sicherung einer angemessenen Grundversorgung auch ländlicherer Gebiete in der Region Hannover stehe die optimale Verknüpfung unterschiedlicher Verkehrsangebote im Fokus.

Verkehrsdezernent Ulf-Birger Franz veranschaulichte den großen Handlungsbedarf zum Ausbau der ÖPNV-Struktur anhand der rasanten Entwicklung der Fahrgastzahlen im Zuständigkeitsgebiet des Großraum Verkehr Hannover (GVH): Waren im Jahr 2006 noch rund 173 Millionen Fahrgäste mit öffentlichen Verkehrsunternehmen gefahren, nutzten im Jahr 2018 bereits rund 220 Millionen Menschen die Verkehrsangebote des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in der Region Hannover.

Für das Jahr 2020 wird dennoch nur mit einem Anteil aller zurückgelegten Wege in der Region Hannover mit dem ÖPNV in Höhe von rund 18 Prozent gerechnet, während der Anteil der mit dem PKW zurückgelegten Wege nach wie vor den größten Anteil mit rund 28 Prozent einnimmt beziehungsweise 40 Prozent unter Einberechnung der Mitfahrenden in PKW. Der Fußgängeranteil wird in 2020 hingegen nur bei rund 23 Prozent liegen und der Anteil der Radfahrenden bei etwa 19 Prozent. Erklärtes Ziel der Region Hannover ist es, den Anteil der zurückgelegten Wege insbesondere im ÖPNV und mit dem Fahrrad weiter deutlich zu erhöhen. Hierdurch könnte ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung des Klimaschutzes und zur Lebensqualität der Menschen in der Region Hannover geleistet werden.

Zu den wichtigsten Neuerungen zählt nach Auffassung der FDP-Fraktion, dass das Verkehrsangebot im Bereich der Regiobus GmbH beim bisherigen Angebot auf den sogenannten Sprinter-Linien von Stationen aus Regionskommunen im Umland ins Zentrum von Hannover verstärkt werden soll. Zu den geplanten Maßnahmen auf den Sprinter-Linien zählen ein dichter Takt, Barrierefreiheit, direkte Linienführung sowie Haltestellenzuwegungen und Bike&Ride-Angebote. Auf diesen Sprinter-Linien, zukünftig unter "Sprint-H" firmierend, sollen die Busse überdies sukzessive auf E-Mobilität umgestellt und mit WLAN ausgestattet werden. In Hinsicht auf die auszubauende Lade-Infrastruktur soll eng mit der üstra AG kooperiert werden, wie von der FDP-Fraktion gefordert.

Beim bestehenden Angebot im Bereich der sogenannten Bedarfsverkehre – zum Beispiel beim RufBus und beim RufTaxi – sollen über eine gemeinsame Vermarktung der unterschiedlichen Services die betreffenden unterschiedlichen Verkehrsangebote gebündelt werden und durch mehr Einfachheit, Transparenz und eine leichtere Handhabung auch des digitalen Fahrkartenkaufs an Attraktivität gewinnen.

Der Nahverkehrsplan 2020 der Region Hannover soll diesen regionalen Mindestbedienungsstandard gewährleisten: Alle Ortsteile in der Region Hannover – ohne Betrachtung des Stadtgebiets Hannover, für das eigene Standards gelten – sollen zwischen 5 und 23 Uhr mindestens alle zwei Stunden und zur Hauptverkehrszeit mindestens ein Mal pro Stunde an ihr Gemeinde- beziehungsweise Stadtzentrum und an das Zentrum der LHH angebunden sein. Hierbei wird ein Zielerreichungsgrad von 90 Prozent des genannten Standards angestrebt.

Für das Stadtgebiet Hannovers soll folgender Mindestbedienungsstandard gelten: Innerhalb der Landeshauptstadt Hannover und der zentralen Bereiche der Mittelzentren in der Region Hannover sollen in maximal 500 Meter Luftlinie bei Bus- und Bedarfsverkehr sowie in maximal 750 Meter Luftlinie beim Schienenverkehr alle bedeutenden Siedlungsbereiche mit mindestens 250 Einwohnerinnen und Einwohnern an eine Haltestelle mit einem ausreichenden Bedienungsangebot angebunden sein.

Michael Fischer, Pressesprecher der Moia GmbH, berichtete im Rahmen der FDP-Fraktionsfachtagung über das aktuell noch laufende Kooperationsprojekt von Moia mit der üstra AG auf der sogenannten "Letzten Meile". Seit dem 1. Juli 2019 und noch bis Ende September 2019 läuft ein Pilotprojekt eines Zubringerdienstes von Moia für den ÖPNV im Stadtgebiet Hannovers in den Einzugsbereichen Vahrenwald-List-Hainholz-Herrenhausen, Linden-Limmer-Ricklingen-Badenstedt-Davenstedt sowie Kirchrode-Bemerode-Wülferode-Mittelfeld-Döhren-Wülfel. Im Umfeld der Stadtbahnhaltestellen "Schaumburgstraße", "Am Soltekampe" und "Brabeckstraße" können Fahrgäste zum festen Zubringerpreis von 3 Euro in einem Gebiet bis zu 3 Kilometer rund um diese Stadtbahnhaltestellen im Rahmen des "Letzte Meile Transfers" befördert werden. Im Stadtgebiet Hannovers gibt es bis dato rund 5.000 virtuelle Haltestellen von Moia. Der Regelbetrieb besteht in Hannover seit dem 1. Juli 2018 und es wurden 228 Arbeitsplätze (Fahrer, Verwaltung) geschaffen. Seitdem fuhren rund 375.000 Fahrgäste mit Moia laut Angaben des Unternehmens. Moia will den Beweis antreten, dass das sogenannte "Ridepooling" der Schlüssel zu einer effizienten Straßennutzung sein kann und sowohl der fahrende und der ruhende Verkehr sowie der Parksuchverkehr durch dieses neue Mobilitätsangebot entlastet werden könnten.

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