Barrierefreiheit bei Zoom

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Streaming-Technologien haben in diesem Jahr eine ganz neue Bedeutung erhalten. Noch nie wurde so viel gestreamt wie 2020, denn in diesem Jahr sind viele Unternehmen besonders kreativ geworden, im Bezug darauf wie sie ihre Inhalte über das Internet anbieten können. Wer Anfang des Jahres in Zoom-Aktien investiert hat, wurde zum großen Gewinner der Börse, und fast jeder kennt das Programm mittlerweile. Aber wie gut ist Zoom auch für jene Menschen geeignet, die ihr Gegenüber nicht problemlos hören können. Wir sehen uns die Barrierefreiheit des Programms für Menschen mit Schwerhörigkeit oder Taubheit einmal genauer an!

Streaming in allen Bereichen

Der Einsatz von Streaming-Technologien ist in den letzten Jahren tendenziell angestiegen, ohne dass sich viele darüber bewusst waren. Besonders in Apps oder sozialen Medien streamen wir mittlerweile regelmäßig, z. B. wenn wir einen Freund über WhatsApp mit der Videofunktion anrufen oder bei Instagram eine Live-Aufnahme übertragen. Diese alltäglichen Tätigkeiten werden von vielen nicht unbedingt als klassische Streaming-Anwendung gesehen. Der Einsatz von Zoom hingegen ist extrem angestiegen, denn wir nutzen das Programm mittlerweile für Videokonferenzen im Büro, Gruppentelefonate mit Freunden aus aller Welt, unseren täglichen Sport und vieles mehr. Dass man per Stream sogar schon Fitness betreiben kann, ist ein Trend aus 2020. Bereits zu Beginn des Jahres begannen immer mehr Yoga- oder Pilates-Studios, ihre Kurse auch aus der Ferne anzubieten. Andere Sportarten folgten dem Vorbild. Mittlerweile findet man im Netz eine unglaubliche Vielzahl von gestreamten Kursen. Dafür meldet man sich einfach online bei einem Kurs an und erhält kurz vor Beginn den Link für eine Zoom-Konferenz zugesandt. Nun können sich alle Teilnehmer einloggen und den Instructor direkt vor sich sehen. Hat man ausreichend Platz im eigenen Wohnzimmer, bietet diese Form von Online-Fitness die Möglichkeit, im direkten Austausch mit einem Coach zu sein, ohne z. B. lange Anfahrtswege in Kauf zu nehmen. Sogar in der Gaming-Welt hat der Stream viele Anwendungen gefunden. Der klassische Einsatz ist natürlich für Let’s-Play-Videos, bei denen Streamer ihren Bildschirm beim Spielen abfilmen und diesen live an ihr Publikum bei YouTube oder Twitch übertragen. Allerdings werden Streams mittlerweile auch im Spiel eingesetzt, z. B. bei Live Casinos. Hier werden die Spieler per Liveübertragung mit einem Croupier verbunden, der an einem regulären Spieltisch sitzt. Dieser kann dort die Einsätze des Spielers annehmen und ganz wie in der landbasierten Spielbank die Karten mischen, austeilen und aufdecken. Die Spielerfahrung fühlt sich dabei besonders immersiv an, dazu entwickelt das Spiel auch eine soziale Komponente.

Barrierefreiheit für Schwerhörige

Damit auch taube Menschen und Hörgeschädigte die Vorteile des Streamings nutzen können, hat das Programm einige Funktionen für die Barrierefreiheit eingeführt. So gibt es z. B. mehrere Methoden, mit denen Untertitel selbst bei Liveübertragungen generiert werden können. Die Untertitel können von einer Person im Chat eingetippt werden, um zu garantieren, dass der Sprechende wirklich richtig verstanden wird. Dies erfordert allerdings mehr Zeit, wodurch Gespräche ins Stocken kommen können. Eine andere Möglichkeit besteht darin, eine CART-Anwendung zu nutzen, die in Zoom direkt verknüpft werden kann. CART steht für Communication Access Real-Time Translation und ist ein Service bei dem geschulte Stenografen die Texte in Echtzeit abtippen und den Usern damit schnelle Untertitel zur Verfügung stellen. Die Nutzung eines solchen Services ist allerdings nicht günstig und fängt bei etwa 60 € die Stunde an. Deshalb greifen immer mehr Menschen auf automatisierte Systeme zurück, die den gesprochenen Text mit einer Software in Untertitel umwandeln. Die Fehlerquelle ist hier natürlich höher, besonders wenn nicht klar gesprochen wird. CART-Anbieter die von Zoom unterstützt werden, sind z. B. VITAC, StreamText oder 1CapApp. Natürlich kann auch ein Gebärdensprachen-Dolmetscher an einer Zoom-Unterhaltung teilnehmen, um Hörgeschädigten die Nutzung zu erleichtern. Dafür kann die Funktion „Anheften“ verwendet werden, wodurch der Dolmetscher immer als Miniatur an einer Stelle angezeigt wird und das Bild nicht zwischen den Sprechenden hin- und herschaltet. Wer hingegen durch Lippenlesen ein gutes Verständnis erlangen kann, hat bei Zoom den Vorteil, dass der Sprechende immer groß am Bildschirm angezeigt wird. So wird es einfacher, die Lippenbewegungen mitzuverfolgen.

Die Nutzung von Zoom ist für Taube und Hörgeschädigte möglich, kann aber teuer werden. Eine CART-Anwendung oder ein Gebärdensprachen-Dolmetscher kostet stündlich, wodurch dies vor allem bei wichtigen Meetings Sinn ergibt, die von dem Arbeitgeber übernommen werden. Natürlich können die Anwendungen aber auch privat eingesetzt werden. Automatisierte Textausgaben werden auch immer besser, dabei muss man die Sprecher allerdings bitte, langsam und sehr deutlich zu reden. Die automatischen Untertitel sind dabei meist mit kleinen Fehlern versehen.

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