Region Hannover fördert Rekrutierung von ausländischen Fachkräften

Berichten vom Projekt "Welcome to Hannover Region" (von links): Maik Wehrhahn, Geschäftsführer der Klimatherm GmbH & Co. KG, Projektleiter Tornike Murtskhvaladze, Firas Ben Attaya, Projekt-Teilnehmer, Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz, Projekt-Teilnehmer Belgacem Slama und Tim Strecker, Geschäftsführer der Elektro Strecker GmbH.Foto: Region Hannover, Pförtner

Der Nachwuchs fehlt, Fachkräfte werden händeringend gesucht: Für Unternehmen wird es immer schwieriger, qualifizierte Auszubildende und Beschäftigte zu finden. Deswegen unterstützt die Region Hannover seit 2021 lokale Firmen dabei, gezielt neue Fachkräfte und Auszubildende aus Drittstaaten wie Tunesien und Ägypten zu gewinnen und zu integrieren. Mit dem Projekt "Welcome to Hannover Region" kooperiert die Beschäftigungsförderung der Region Hannover mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) zur Rekrutierung der Fachkräfte im Ausland. Die Anerkennung der Qualifikationen der neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen die IHK und HWK Hannover. Gefördert wird das Projekt vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung.

Für Wirtschaftsdezernent Ulf-Birger Franz ein wichtiges Projekt – auch mit Blick auf die aktuelle Energiekrise: "Nicht nur in der Gastronomie und im Handel, sondern auch in der Elektro- und Baubranche fehlen viele Fachkräfte. Mit ‚Welcome to Hannover Region‘ richten wir uns mit dem Schwerpunkt auf Elektro- und Elektrometallberufen explizit an Unternehmen, die die beschleunigte Energiewende hier vor Ort vorantreiben." Das Potenzial von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland werde wegen der komplizierten rechtlichen Verfahren aktuell kaum genutzt, weiß der Wirtschaftsdezernent: "Besonders in kleinen und mittleren Unternehmen kann es schnell an Erfahrungen und personellen Kapazitäten fehlen, um Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen und erfolgreich in den Betrieb zu integrieren. Mit dem Modellprojekt bringen wir alle Beteiligten für regionale Betriebe an einem Tisch zusammen und bauen bürokratische Hürden ab", so Ulf-Birger Franz über das Partnernetzwerk der Wirtschaftsförderung der Region Hannover.

Begleitung von der Gewinnung bis zur Integration

Damit der Einstieg in das Beschäftigungsverhältnis für die neuen Fachkräfte und die Firmen gelingt, bietet das Projekt der Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung der Region Hannover eine umfangreiche Integrationsbegleitung von bis zu sechs Monaten an: Neben Interviews zwischen interessierten Unternehmen und den potenziellen neuen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bekommen die teilnehmenden Unternehmen und Fachkräfte Unterstützung bei Behördengängen und der Anerkennung ausländischer Qualifikationen. "Mit Willkommensveranstaltungen sowie Diversity-und Onboarding-Schulungen wollen wir Hürden abbauen und sowohl für die beteiligten Unternehmen, als auch für die Fachkräfte eine gute Grundlage für ein nachhaltiges Arbeitsverhältnis schaffen", erklärt Projektleiter Tornike Murtskhvaladze.

Positive Erfahrungen auf Unternehmensseite

Ein Konzept, das aufgeht, wie die ersten Erfahrungen der teilnehmenden Unternehmen zeigen. "Seit Jahren wird es für lokale Fachbetriebe wie unseren immer schwieriger neue Auszubildende und Gesellen zu finden", schildert Maik Wehrhahn, Geschäftsführer der Klimatherm GmbH & Co. KG aus Hannover die allgemeine Situation in der Branche: "Mit dem Projekt ‚Welcome to Hannover Region‘ konnten wir jetzt eine Stelle mit einem gut ausgebildeten Mitarbeiter aus Tunesien besetzen, für die wir trotz verstärkter Suche bis dahin keine geeigneten Bewerberinnen oder Bewerber gefunden hatten." Die Einbindung der Fachkräfte aus Drittstaaten in den hannoverschen Arbeitsalltag funktioniert, wie Tim Strecker von der Elektro Strecker GmbH berichtet: "Als Familienunternehmen ist es uns besonders wichtig, dass sich unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die teilweise aus dem Ausland kommen, nicht nur auf der Arbeit, sondern auch in ihrem persönlichen Umfeld wohlfühlen." Die Begleitung bei Behördengängen und Sprachförderung durch das Projekt helfe den Unternehmen wie Fachkräften die Integration in den Alltag zu meistern.

Starkes Partnernetzwerk für die Rekrutierung der Fachkräfte aus Drittstaaten

Die Rekrutierung der Fachkräfte im Ausland erfolgt in Zusammenarbeit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Bundesagentur für Arbeit (BA) über das Partner Projekt THAMM ("Towards a Holistic Approach to Labour Migration Governance and Labour Mobility in North Africa"). "Mit dem THAMM Projekt pilotiert die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH faire und sichere Arbeitsmigration aus Ägypten, Marokko und Tunesien nach Deutschland", erklärt Andrea Milkowski, THAMM Programmleiterin im GIZ: "Damit dies gelingt, sind Partnerschaften zwischen Akteuren wie Ministerien, Behörden und Institutionen im Arbeits- und Migrationsbereich in Nordafrika und in Deutschland wichtig. Seit Anfang 2021 besteht eine erfolgreiche Kooperation mit der Region Hannover, die sich engagiert in die Vermittlung von Projektteilnehmerinnen und -teilnehmern einbringt."

Um die schnelle Anerkennung der Qualifikationen der Fachkräfte aus dem Ausland auf dem deutschen Arbeitsmarkt kümmern sich die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer (HWK) Hannover. Dazu Dr. Carl-Michael Vogt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Hannover: "Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, uns mit einem qualifizierten Anerkennungsverfahren einzubringen und dazu beizutragen, dass Fachkräfte mit ihren Bildungsabschlüssen rasch in den handwerklichen Arbeitsmarkt integriert werden können. Wir werden perspektivisch auch betriebliche Nachqualifizierungen anbieten und insoweit noch prüfen wollen, dieses Angebot in das Gesamtpaket einzubringen." Expertise bei der Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten bringt auch die IHK in das Projekt "Welcome to Hannover Region" mit ein: "Für unsere Mitgliedsunternehmen rückt die Fachkräftesicherung über die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse immer stärker in den Fokus", schildert Prof. Dr. Günter Hirth, Leiter Berufsbildung von der IHK Hannover, die aktuelle Situation: "Über das Fachkräfteeinwanderungsgesetz stellen zuwanderungswillige Fachkräfte ihren Antrag zur Anerkennung der Berufsabschlüsse zunehmend bereits direkt aus dem Herkunftsland. Dieser Anteil stieg bei der Anerkennungsstelle der IHK zuletzt auf rund 40 Prozent."

Das Projekt wird vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung mit der Start-Guide-Richtlinie gefördert. "Fachkräftesicherung ist zweifelsohne eines der wichtigsten Themen dieser Zeit", erklärt Wirtschaftsminister Dr. Bernd Althusmann: "Es ist uns daher ein großes Anliegen, die Fachkräftesicherung vor Ort, insbesondere auch für kleine und mittlere Unternehmen, mit unseren Förderprojekten zu unterstützen. Wir freuen uns sehr darüber, dass unser Start-Guide-Projekt Welcome to Hannover Region die Fachkräftesicherung hier in Hannover so aktiv und mit vielfältigen Maßnahmen begleitet. Die Region Hannover positioniert sich so als international attraktiver Arbeits- und Wohnort – mit einer aktiv gelebten Willkommenskultur."

Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten zum Modellprojekt "Welcome to Hannover Region" gibt es unter www.wirtschaftsfoerderung-hannover.de/welcome.

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Ein Kommentar

  • Soviel Einsatz und Engagement der Fimen und Behörden wünscht man sich doch bei Unseren jungen Menschen doch auch.
    Heut gelesen !
    „Knapp 15 Prozent der jungen Erwachsenen haben keinen Berufsabschluss. Die Zahl der Ungelernten dürfte weiter steigen, das Angebot für Geringqualifizierte dagegen sinken – für Deutschlands Arbeitsmarkt ein echtes Problem.“
    zum Thema einer Studie der Bertelsmann Stiftung zusammen mit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung

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