Geschichtsträchtiges Derby in Großburgwedel

Kai Behnke setzt sich auf der rechten Seite durch.

Die gut 450 Zuschauer, die am Samstagabend zum hannoverschen Derby in der 3. Liga Nord in die Sporthalle Auf der Ramhorst nach Großburgwedel gekommen waren, brauchten ihren Besuch nicht zu bereuen. Das Spiel zwischen der Turnerschaft Großburgwedel und den Handballfreunden aus Springe hielt alles, was es im Vorfeld versprochen hatte. Kampf, Emotionen, Leidenschaft und Spannung bis zur letzten Sekunde prägten 60 tolle Handballminuten. Das Spiel des Tabellenzweiten gegen den Tabellenvorletzten endete 32:32, aber der Reihe nach.

Zeigte eine überragende Leistung im Tor:  Markus Hammerschmidt

Zeigte eine überragende Leistung im Tor: Markus Hammerschmidt

Die Springer hatten den besseren Start. Nach einer 1:0 Führung der Gastgeber konnten die Handballfreunde drei Tore in Folge erzielen und lagen vorn. Die Turnerschaft ließ sich jedoch nicht verunsichern, hielt dagegen und erzielte durch Carl-Philipp Seekamp nach neun Minuten das 4:4. TSG-Trainer Jürgen Bätjer nahm eine Auszeit, beruhigte seine Spieler und fortan lag Großburgwedel ständig vorn. Die TSG Abwehr stand gut und konnte sich auf Markus Hammerschmidt im Tor verlassen, der sich von Minute zu Minute steigern konnte und eine überragende Leistung zeigte. Aber auch im Angriff gab es bei der Turnerschaft nur wenig zu meckern. Großburgwedel spielte wie schon in den letzten Wochen auf einem guten Niveau.

Über 7:6 und 9:8 konnten sich die Gastgeber durch einen verwandelten Siebenmeter von Andrius Stelmokas nach 17 Minuten beim 10:8 erstmals mit zwei Toren absetzen. Als Sören Kress kurze Zeit später zum 11:8 für die Turnerschaft traf, nahm HF-Trainer Sven Lakenmacher seine erste Auszeit. Das Spiel der Gäste war in dieser Phase nicht gut und Lakenmacher versuchte sein Team wieder in die Spur zu bringen.

Dies gelang jedoch nicht. Großburgwedel spielte sich in einen Rausch und erzielte unter dem Jubel der heimischen Fans Treffer um Treffer. Sören Kress führte geschickt Regie und setzte seine Nebenleute gut in Szene.

Carl-Philipp Seekamp ist für seine Sprung- und Wurfkraft bekannt.

Carl-Philipp Seekamp ist für seine Sprung- und Wurfkraft bekannt.

Carl-Philipp Seekamp, Lutz Heiny und Kay Behnke trafen aus dem Rückraum, aber auch über die Außen Steffen Dunekacke und Lennart Koch wusste die Turnerschaft zu gefallen. Springe war sichtlich geschockt und konnte in sechs Minuten nur ein Tor durch Tim Coors werfen. Die Turnerschaft setzte sich jetzt weiter ab. Nach 24 Spielminuten leuchtete eine 15:10 auf der Anzeigetafel der Großburgwedeler Sporthalle. Wer hätte vor der Begegnung des Tabellenzweiten gegen den Tabellenvorletzten mit diesem Zwischenstand gerechnet? Doch so leicht ließen sich die Gäste nicht abschütteln. Bis zum Halbzeitpfiff fand Springe allmählich wieder den eigenen Rhythmus und konnte verkürzen. Nach einem Tor von TSG-Linksaußen Steffen Dunekacke, der mit sechs Treffern überzeugen konnte und auch in der Abwehr Schwerstarbeit leistete, ging Großburgwedel mit einer 17:15-Führung in die Kabine.

Zu erwähnen ist an dieser Stelle auch, dass es ein äußerst faires Derby war. Lediglich vier Zeitstrafen (1/3) mussten die beiden Unparteiischen aussprechen. Es ging intensiv und körperbetont zur Sache, alle Aktionen blieben aber im Rahmen des Erlaubten. Nach dem Seitenwechsel nahm die Partie noch mehr Fahrt auf. Großburgwedel konnte sich zwar auf 20:17 absetzen, die Handballfreunde waren beim 22:22 (43.) aber wieder dran. Das Spiel entwickelte sich jetzt immer mehr zu einem Thriller. Großburgwedel legte immer wieder vor, die Gäste konnten stets ausgleichen.

Stelmokas

Andrius Stelmokas verwandelt mit gewohnter Sicherheit einen 7-Meter-Wurf

Andrius Stelmokas erzielte in der 52. Minute per Strafwurf das 28:27 für die Turnerschaft. Er war an diesem Abend Mr. 100% und verwandelte alle fünf TSG-Siebenmeter. Die Gäste zeigten dagegen bei den Strafwürfen Nerven. Maximilian Kolditz und Pawel Pietak scheiterten bei zwei Versuchen an TSG-Torhüter Patrick Anders, der für genau diese zwei Strafwürfe eingewechselt worden war und der überragenden Leistung von Markus Hammerschmidt in Nichts nachstand.

Das Spiel bog auf die Zielgerade ein und der Krimi steuerte jetzt seinem Höhepunkt entgegen. Daniel Deutsch und Jannis Fauteck übernahmen bei Springe Verantwortung und hielten die Gäste im Spiel. Großburgwedel unterliefen jetzt zwei kleine Fehler und die Gäste waren sofort da. Es waren noch exakt 90 Sekunden zu spielen, als Großburgwedel beim 31:31 eine Auszeit nahm. Der Ball ging im folgenden Angriff für die Gastgeber jedoch unglücklich verloren; die Handballfreunde hatten es jetzt in der Hand, das Spiel zu drehen. Als Sven Lakenmacher für sein Team eine Auszeit beantragte, waren noch genau 30 Sekunden zu absolvieren. Die Gäste spielten nach einigen Pässen Pawel Pietak auf der rechten Außenbahn frei, der Markus Hammerschmidt 16 Sekunden vor dem Abpfiff zum vielumjubelten Führungstreffer für die Handballfreunde überwinden konnte. Die TSG nahm schnell ihren Torwart aus dem Spiel und brachte Lutz Heiny als zusätzlichen Feldspieler. Dieser fackelte fünf Sekunden vor dem Ende nicht lange und zog aus dem Rückraum ab. Der Ball schlug neben HF-Torhüter Ariel Panzer zum 32:32 Ausgleich ein. Die Sporthalle Auf der Ramhorst glich jetzt einem Tollhaus.

Doch die Partie war noch nicht zu Ende. Der Spielball wurde schnell zur Mitte gespielt und Jannis Fauteck versuchte es mit einem direkten Wurf ins TSG-Gehäuse. Lennart Carstens war jedoch zur Stelle und konnte den Wurf blocken. Dann überschlugen sich die Ereignisse.

Knapp einer roten Karte entkommen:  Sven Lakenmacher

Knapp einer roten Karte entkommen: Sven Lakenmacher

Als die Schiedsrichter kurze Zeit später die Begegnung unter dem Jubel der Großburgwedeler Spieler und Fans abpfiffen, gab es auf Seiten der Springer große Proteste. HF-Trainer Sven Lakenmacher hatte Glück, dass er nicht die rote Karte bekam, als er wild protestierend einen Schiedsrichter wegschubste. Die Gäste waren der Meinung, dass die letzten drei Sekunden erneut hätten angepfiffen werden müssen. Die Schiedsrichter bleiben aber bei ihrer Entscheidung, ein geschichtsträchtiges Derby zwischen der Turnerschaft Großburgwedel und den Handballfreunden Springe endete leistungsgerecht 32:32. Noch in vielen Jahren werden die anwesenden Zuschauer über diesen denkwürdigen Abend in der Sporthalle Auf der Ramhorst sprechen.

TSG-Trainer Jürgen Bätjer war nach der Begegnung mit der Leistung seiner Mannschaft hoch zufrieden: „Ich kann meinen Jungs heute nur Komplimente machen. Das waren 60 ganz tolle Minuten. 2-3 kleine Fehler weniger und wir gewinnen das Spiel. Trotzdem war es für mich heute ein gewonnener Punkt, das Springer Top-Team ist clever und routiniert und hätte auch als Sieger vom Platz gehen können. Hätte man mich vor dem Spiel gefragt, ob ich mit einem Unentschieden einverstanden wäre, ich hätte sofort unterschrieben. Unsere Torhüterleistung war überragend, aber auch die Abwehr hat gut funktioniert. Was nicht heißen soll, dass der Angriff nicht so gut war. Auch hier haben wir ganz viel richtig gemacht und an unsere Leistung vor Weihnachten angeknüpft. Das Ergebnis geht in Ordnung, die Zuschauer sind voll auf ihre Kosten gekommen, so macht Handball Spaß.“

Durch den Punktgewinn konnte sich die TS Großburgwedel in der Tabelle einen Platz verbessern. Die Handballfreunde Springe haben jetzt vier Punkte Rückstand auf Tabellenführer Wilhelmshaven.

TS Großburgwedel: Markus Hammerschmidt, Patrick Anders, Malte Kress, Lennart Koch (3), Sven Vogel, Sören Kress (3), Andrius Stelmokas (6/5), Carl-Philipp Seekamp (6), Kai Behnke (4), Justin-Magnus Behr, Thimo Kirsch, Lennart Carstens, Steffen Dunekacke (6) und Lutz Heiny (4).

Wie möchten Sie kommentieren?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Loading Facebook Comments ...