110 & 112Burgwedel

Mehr Verkehrstote in Niedersachsen trotz nahezu unveränderter Unfallzahlen

[REGION]

Die Zahl der Verkehrsunfälle in Niedersachsen ist 2025 nahezu unverändert geblieben, die Zahl der Verkehrstoten ist jedoch deutlich gestiegen. Das geht aus der Verkehrsunfallstatistik 2025 hervor, die Innenministerin Daniela Behrens am Montag, 13. April 2026, vorgestellt hat. Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 208.720 Verkehrsunfälle. Das waren 281 weniger als 2024 und entspricht einem leichten Rückgang um 0,1 Prozent. Zugleich kamen 372 Menschen im Straßenverkehr ums Leben, 25 mehr als im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg um rund sieben Prozent.

Auch die Zahl der Leichtverletzten nahm leicht zu. Sie stieg um 213 auf 36.296. Dagegen ging die Zahl der Schwerverletzten um 104 auf 4.857 zurück. Daniela Behrens sagte bei der Vorstellung der Zahlen: „Wir können mit den Entwicklungen im Straßenverkehr im vergangenen Jahr nicht zufrieden sein. Jeder Mensch, der bei einem Verkehrsunfall stirbt, ist einer zu viel.“ Besonders auffällig seien die gestiegenen Zahlen der Todesopfer bei Kindern, älteren Menschen und Zweiradfahrenden.

Als häufigste Ursache tödlicher Verkehrsunfälle nennt die Statistik erneut zu hohe Geschwindigkeit. Daneben spielten Vorfahrtsmissachtung, Fehler beim Überholen und Abbiegen sowie zu geringer Abstand eine wichtige Rolle. Behrens betonte, dass weiterhin viele Menschen zu schnell unterwegs seien oder sich betrunken oder berauscht ans Steuer setzten. Die Polizei wolle deshalb weiter intensiv auf Prävention, Kampagnen und verstärkte Kontrollen setzen. Dabei stünden vor allem Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit im Blick.

Besonders betroffen waren 2025 ältere Menschen. In der Altersgruppe ab 65 Jahren starben 144 Menschen bei Verkehrsunfällen, 18 mehr als im Vorjahr. Damit entfielen rund 39 Prozent aller Verkehrstoten auf diese Altersgruppe, obwohl ihr Bevölkerungsanteil deutlich niedriger liegt. Auch bei Kindern stieg die Zahl der Todesopfer. Neun Kinder im Alter von einem bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr ums Leben, drei mehr als 2024. Positiv entwickelte sich dagegen die Lage bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren. Hier sank die Zahl der Verkehrstoten um 22 auf 36.

Deutlich gestiegen ist die Zahl der getöteten Radfahrer. 63 Menschen verloren 2025 in Niedersachsen auf dem Fahrrad ihr Leben, 14 mehr als im Vorjahr. 33 von ihnen waren mit einem Pedelec unterwegs. 41 der Getöteten gehörten zur Altersgruppe ab 65 Jahren. Rund zwei Drittel der getöteten Radfahrer trugen keinen Helm. Auch bei motorisierten Zweirädern gab es einen Anstieg. Insgesamt starben 67 Menschen auf Motorrädern oder ähnlichen Fahrzeugen, nach 59 im Vorjahr. Besonders betroffen waren Motorräder mit mehr als 125 Kubikzentimetern Hubraum.

Rund zwei Drittel aller tödlichen Unfälle ereigneten sich auf Landstraßen. Dort starben 232 Menschen. Die Zahl der sogenannten Baumunfälle sank leicht auf 3.057. Bei diesen Unfällen kamen 92 Menschen ums Leben, deutlich weniger als die 117 Todesopfer des Vorjahres. Dagegen stieg die Zahl der Verkehrstoten auf niedersächsischen Autobahnen deutlich an. Dort starben 37 Menschen, 17 mehr als 2024.

Im Bereich der Fahrtüchtigkeit weist die Statistik ein gemischtes Bild aus. Die Zahl der tödlich Verunglückten infolge von Alkohol oder anderen berauschenden Mitteln ging von 23 auf acht zurück. Auch die Gesamtzahl der Unfälle, bei denen Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten, sank leicht auf 4.166. Erstmals liegen nun auch belastbare Zahlen zur Cannabisbeeinflussung im Straßenverkehr nach der Teillegalisierung und der Anhebung des THC-Grenzwerts vor. Seit dem 1. Juli 2025 registrierte die Polizei in Niedersachsen im zweiten Halbjahr 231 Verkehrsunfälle und 1.932 Verkehrsdelikte im Zusammenhang mit Cannabis.

Behrens sieht darin eine Bestätigung ihrer Warnungen. „Die jetzt erstmalig nachweisbaren Zahlen zur Cannabisbeeinflussung im Straßenverkehr sind ein Beleg unserer immer wieder prognostizierten Aussage, dass der Cannabiskonsum eine deutliche Gefahr für den sicheren Straßenverkehr darstellt“, sagte die Ministerin. Sie kündigte an, dass die Polizei auch 2026 verstärkt Geschwindigkeit und Fahrtüchtigkeit kontrollieren werde. Dabei sollen nicht nur Autofahrer und Lastwagenfahrer, sondern auch Motorradfahrer, E-Scooter-Nutzer und Radfahrer stärker in den Blick genommen werden.

Die sogenannte Unfalluhr macht die Dimension deutlich. Im vergangenen Jahr nahm die Polizei im Durchschnitt alle zweieinhalb Minuten einen Verkehrsunfall auf. Alle 13 Minuten verunglückte ein Mensch im Straßenverkehr, und jeden Tag starb mindestens ein Mensch auf Niedersachsens Straßen.

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