NGG Hannover: „Gastronomie gehört zu den ‚Rekord-Branchen der Tarifflucht‘“
Foto:NGG, Alireza Khalili
Die rund 2.170 Gastro-Betriebe in Stadt und Region Hannover profitieren – viele Köche und Kellnerinnen gehen leer aus: Hotels, Restaurants und Gaststätten müssen seit Jahresbeginn deutlich weniger Mehrwertsteuer bezahlen – nämlich nur noch 7 statt 19 Prozent. „Von jedem 10-Euro-Schein, den der Gast im Restaurant lässt, bleiben dadurch rund 95 Cent zusätzlich für den Gastronomen übrig. Das Geld landet zwar in der Kasse – aber nicht in der Lohntüte der Beschäftigten“, sagt Lena Lange von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Auch der Gast merke von dem Steuergeschenk, das die Bundesregierung den Gastronomen gemacht habe, so gut wie nichts: „Wer mit dem großen Rutscheffekt der Preise auf den Speisekarten in Hannover gerechnet hat, wurde in die Irre geführt“, so Lena Lange. Die Geschäftsführerin der NGG Hannover wird deutlich: „Da hat die Bundesregierung die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn die allermeisten Gastronomen in Stadt und Region Hannover stecken das Geld, das durch das Schnitzel-Steuergeschenk für sie übrig bleibt, in die eigene Tasche“, sagt Lange.
Und es sei eigentlich „alles noch viel schlimmer“: „Denn gleichzeitig bezahlen viele Gastronomen ihren Beschäftigten in der Küche und im Service nur den gesetzlichen Mindestlohn. Das ist das absolute Minimum. Und dann beklagen sie sich auch noch darüber, dass sie 1 Euro und 8 Cent beim Stundenlohn draufzahlen müssen, weil der gesetzliche Mindestlohn zum Jahresbeginn auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen ist“, sagt Lena Lange.
Die Geschäftsführerin der NGG Hannover warnt vor „unschöner Gastronomen-Gier“: „Wer seine Beschäftigten in der Küche oder im Service mit dem Mindestlohn abspeist, bezahlt keinen anständigen Lohn. Entscheidend und wirklich fair ist nur der Tariflohn“, so Lange. Der liege für eine erfahrene Profi-Köchin oder eine souveräne Servicekraft in ganz Niedersachsen bei immerhin 17,73 Euro pro Stunde.
Doch ein Großteil der gastronomischen Betriebe in der Stadt und der Region betreibe „systematisch Tarifflucht“: „Viele Gastwirte, Restaurantchefs und Hoteliers in Hannover schlagen einen weiten Bogen um den Tariflohn. Und damit auch um Zuschläge an Sonn- und Feiertagen und um Urlaubsregelungen“, so Lena Lange. Die Gastronomie gehöre zu den „Rekord-Branchen der Tarifflucht“.
„Viele der Gastro-Beschäftigten kommen so beim Lohn zu kurz“, kritisiert Lange. Insgesamt arbeiten in Stadt und Region Hannover nach Angaben der NGG rund 25.600 Beschäftigte in der Gastro-Branche – von der Köchin bis zum Barkeeper, vom Kellner bis zur Rezeptionistin. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen der Arbeitsagentur.
Wer in der Stadt und der Region in der Gastronomie arbeitet, kann sich über eine Gewerkschaftsmitgliedschaft bei der NGG Hannover informieren und dabei auch mehr über den aktuellen Tariflohn erfahren: (0511) 12 10 20 | region.hannover@ngg.net.