NGG warnt vor wachsender Kluft zwischen Beschäftigten und Spitzenverdienern
Foto:NGG, Nils Hillebrand
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten Hannover sieht in Stadt und Region Hannover eine zunehmende soziale Schieflage. Nach Angaben der NGG kommen 547.900 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte auf 383 Einkommensmillionäre. Rein rechnerisch steht damit 1431 Beschäftigten ein Mensch gegenüber, der mindestens eine Million Euro im Jahr verdient.
Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Zahlen des Landesamts für Statistik Niedersachsen und der Arbeitsagentur. NGG-Geschäftsführerin Lena Lange warnt angesichts dieser Entwicklung vor einer wachsenden Kluft zwischen Normal- und Spitzenverdienern. Während viele Menschen im Handwerk, in der Industrie und im Dienstleistungssektor arbeiteten, um über die Runden zu kommen, würden andere ihr Einkommen überwiegend aus Börsengeschäften und Unternehmensgewinnen erzielen.
Lena Lange betont, es gehe nicht darum, dass manche mehr verdienten als andere. Problematisch sei vielmehr, dass wenige in einem „Gold-Statuslevel“ lebten, während immer mehr Menschen trotz Vollzeitjob Mühe hätten, Miete, Sprit und Lebensmittel zu bezahlen. Das gelte umso mehr mit Blick auf Arbeitslose und Menschen, die mit Altersarmut zurechtkommen müssten. Eine solche Entwicklung gefährde am Ende auch die Demokratie.
Mit Blick auf das angekündigte Reformpaket der Bundesregierung appelliert die NGG an die Bundestagsabgeordneten von CDU und SPD aus Hannover und der Region, einen sozialen Kurs beizubehalten. Menschen, die Tag für Tag arbeiteten, dürften nicht weiter abgehängt werden. Nach Auffassung der Gewerkschaft tragen sie die Hauptlast über Lohn- und Mehrwertsteuer, während Erbschaften und Vermögen nur einen vergleichsweise kleinen Teil des gesamten Steueraufkommens ausmachten.
Besonders kritisiert die NGG, dass Arbeit nicht stärker besteuert werden dürfe als Kapitaleinkommen wie Zinsen, Dividenden oder Kursgewinne. Gerechte Steuern und eine fairere Vermögensverteilung seien aus Sicht der Gewerkschaft zentrale Voraussetzungen für die anstehenden Reformen bei Steuern, Rente und Gesundheit. Dabei dürften auch eine Vermögensteuer und ein höherer Spitzensteuersatz kein Tabu sein.