Stolperstein für Heinrich Bernhard Seehaus in Fuhrberg verlegt
Mit der Verlegung eines weiteren Stolpersteins setzt die Stadt Burgwedel ihre Erinnerungsarbeit zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft fort. Am 2. Juni 2026 wurde in Fuhrberg ein Stolperstein für Heinrich Bernhard Seehaus verlegt, der 1942 infolge eines Todesurteils der nationalsozialistischen Militärjustiz erschossen wurde.
Bereits in den vergangenen Jahren hat sich die Stadt Burgwedel intensiv mit der lokalen Geschichte der NS-Zeit auseinandergesetzt. Mit dem Mahnmal auf dem Friedhof Großburgwedel sowie den Stolpersteinen für Dr. Albert David und die 28 Säuglinge wurden bereits Schicksale von Menschen sichtbar gemacht, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden. Diese Erinnerungsarbeit wird von Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung kontinuierlich fortgesetzt.

Stadt Burgwedel
Die Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig erinnern europaweit an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet, deportiert oder ermordet wurden. Sie holen die Namen der Opfer zurück in den öffentlichen Raum und in das gemeinsame Erinnern. Bei der Verlegung in Fuhrberg wurde Gunter Demnig durch Herrn Mann vertreten.
Der Stolperstein für Heinrich Bernhard Seehaus ist das Ergebnis umfangreicher historischer Recherchen. Grundlage waren unter anderem die Arbeiten einer von der Stadt Burgwedel beauftragten Historikerin, die weitere Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus aus Burgwedel dokumentierte und aufarbeitete. Im Fall von Heinrich Bernhard Seehaus gelang es dem Standesamt Burgwedel zudem nach monatelanger Recherche, Nachfahren der Familie ausfindig zu machen und Kontakt zu ihnen herzustellen. Dadurch konnten Angehörige an der Stolpersteinverlegung und der Begleitveranstaltung in der Ludwig-Harms-Kirche teilnehmen.
Heinrich Bernhard Seehaus stammte aus Fuhrberg und war Familienvater. Nach seinem Eintritt in die Wehrmacht im Jahr 1940 wurde er mehrfach in medizinische Einrichtungen eingewiesen. Nach einer Flucht zurück in seine Heimat wurde er erneut festgenommen, von der nationalsozialistischen Militärjustiz zum Tode verurteilt und am 17. Oktober 1942 in Anklam erschossen. Mit dem Stolperstein wird nun auch in seiner Heimatgemeinde dauerhaft an sein Schicksal erinnert.
Die Gedenkveranstaltung begann am Vormittag an der Celler Straße 20 in Fuhrberg. Am Nachmittag wurde der Stolperstein durch Bürgermeisterin Ortrud Wendt und Ortsbürgermeisterin Mia Marie Jöhrens-Lazar gemeinsam mit Angehörigen der Familie Seehaus feierlich enthüllt. Zahlreiche Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirche, Feuerwehr und Bürgerschaft nahmen an der Veranstaltung teil. Der Posaunenchor Fuhrberg begleitete das Gedenken musikalisch. Mit einer Schweigeminute und dem Niederlegen von Rosen wurde vor Ort an Heinrich Bernhard Seehaus erinnert.
„Mit dem Stolperstein für Heinrich Bernhard Seehaus erinnern wir nicht nur an die Umstände seines Todes, sondern an einen Menschen, dessen Leben zu unserer Stadtgeschichte gehört. Erinnerung ist dabei niemals nur ein Blick zurück. Sie ist immer auch ein Auftrag für die Gegenwart – ein Auftrag, die Würde jedes Menschen zu achten, Haltung zu zeigen und nicht zu schweigen, wenn Menschen ausgegrenzt oder entwürdigt werden“, betonte Bürgermeisterin Ortrud Wendt.
Im Anschluss fand in der Ludwig-Harms-Kirche eine Begleitveranstaltung statt. Dort wurde die Biografie von Heinrich Bernhard Seehaus verlesen. Musik, Gebete und persönliche Worte schufen Raum für Erinnerung und Gedenken.
Mit der Verlegung des Stolpersteins setzt die Stadt Burgwedel ein weiteres Zeichen gegen das Vergessen und für eine lebendige Erinnerungskultur.
