Pestel-Institut sieht großen Nachholbedarf bei altersgerechten Wohnungen in Hannover
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Viele Wohnungen in Stadt und Region Hannover sind nach einer Untersuchung des Pestel-Instituts nicht ausreichend auf das Wohnen im Alter vorbereitet. Von knapp 624200 Wohnungen seien nur rund 33800 so gebaut, dass ältere Menschen darin ideal zurechtkommen, besonders wenn sie auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Damit böten nur rund fünf Prozent aller Wohnungen den Standard, der nötig sei, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt werden zu können, erklärt Institutsleiter Matthias Günther.
Das Pestel-Institut hat die regionale Wohnungsmarktanalyse im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt. Im Mittelpunkt stand die „Alterstauglichkeit“ der Wohnungen. Nach Angaben von Katharina Metzger, Präsidentin des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel, ist dieses Thema für Stadt und Region Hannover besonders wichtig. In den kommenden zehn Jahren gingen dort rund 170500 Menschen in Rente, darunter die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer. Ziel müsse es deshalb sein, möglichst schnell mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Denn die werden früher oder später gebraucht. Und auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim“, sagt Metzger.
Aus Sicht des Verbandes müsse der Staat schon aus volkswirtschaftlichen Gründen ein Interesse daran haben, mehr altersgerechte Wohnungen zu schaffen. Vor allem gehe es aber um den Wunsch der Menschen selbst. Die meisten wollten in den eigenen vier Wänden alt werden und so lange wie möglich zu Hause bleiben, betont Metzger.
Nach Einschätzung des Pestel-Instituts funktioniert das jedoch nur, wenn vor allem Altbauwohnungen stärker für das Wohnen im Alter umgebaut werden. Wichtig seien möglichst wenige Barrieren, also keine Schwellen, Stufen oder Treppen, außerdem breite Türen und ausreichend Platz, damit sich Menschen mit Rollator oder Rollstuhl frei bewegen können. Besonders wichtig sei dies im Bad und in der Küche. Gerade diese Räume seien jedoch häufig zu klein.
Probleme beginnen nach Angaben des Instituts oft bereits am Eingang. In Stadt und Region Hannover seien 26 Prozent aller Hausflure nicht breit genug, um mit einem Rollstuhl gut hindurchzukommen. Das betreffe rund 139900 Wohnungen. Häufig seien auch schon die Haustüren zu schmal. In den Wohnungen selbst zeige sich der Handlungsbedarf besonders in Küche und Bad. Zwar hätten 71 Prozent der Wohnungen eine ausreichend große Küche, doch in rund 182900 Küchen könnten Menschen mit Rollstuhl nicht wenden. Bei den Bädern seien 280200 und damit 45 Prozent zu klein.
Als entscheidendes Kriterium nennt das Pestel-Institut eine begehbare, bodengleiche Dusche. Diese gebe es aktuell nur in rund 161600 Wohnungen in Stadt und Region Hannover. Damit erfüllten lediglich 26 Prozent der Wohnungen dieses zentrale Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können, sagt Günther.
Der Institutsleiter rät, beim altersgerechten Umbau besonders das Bad in den Blick zu nehmen. Probleme könne es allerdings bei älteren Gebäuden geben. Gerade bei Wohnhäusern aus den 1950er-Jahren sei die Decke oft zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen.
Nach Einschätzung des Pestel-Instituts hat Hannover einen erheblichen Nachholbedarf, um den Wohnungsbestand fit fürs Alter zu machen. Auch Katharina Metzger sieht hier großen Handlungsdruck. Neubau könne zwar helfen, die Lösung liege aber vor allem im seniorengerechten Umbau der Wohnungen, in denen die Babyboomer heute bereits leben. Der altersgerechte Umbau sei jahrzehntelang zu kurz gekommen. Deshalb sei nun eine „Senioren-Umbau-Offensive“ notwendig.
Metzger fordert dafür Unterstützung aus Berlin. Mieter sowie Wohnungs- und Hauseigentümer in Stadt und Region Hannover bräuchten „Boomer-Zuschüsse“, mit denen aus Wohnungen mit Stufen und Stolperschwellen barrierearme Wohnungen werden könnten. Die Wissenschaftler des Pestel-Instituts fordern, dass der Bund einen Großteil der Umbaukosten als Zuschuss übernimmt.
„Denn wer kurz vor der Rente seine Wohnung altersgerecht umbauen will, der scheut sich, dafür noch einen Kredit aufzunehmen. Und die heute gängige staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau ist nichts anderes als ein ‚Placebo-Zuschuss‘. Der reicht auf keinen Fall, um eine effektive Umbauwelle fürs Seniorenwohnen in Deutschland loszutreten“, sagt Günther.
Auch der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel kritisiert den bestehenden Mix aus Fördermöglichkeiten. KfW, Krankenkassen und Pflegeversicherung bildeten ein Förder-Dickicht, durch das sich Betroffene erst einmal kämpfen müssten, erklärt Metzger. Der notwendige Sanierungsschub komme so nicht zustande. Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen deshalb zu einem Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und dafür einen milliardenschweren Zuschuss bereitstellen.