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Region Hannover startet Renaturierung des Oldhorster Moores

[REGION]

Die Region Hannover will das Oldhorster Moor langfristig wieder zu einer intakten Schwammlandschaft entwickeln. Die Regionsversammlung hat die Verwaltung am Dienstag, 19. Mai 2026, damit beauftragt, die Renaturierung des Hochmoors einzuleiten. Das Projekt soll über einen Zeitraum von acht bis zehn Jahren laufen und Klima-, Gewässer- und Naturschutz im Nordosten der Region stärken.

Das Oldhorster Moor liegt im Bereich der Kommunen Burgdorf, Burgwedel und Isernhagen und bildet den Quellbereich der Wulbeck. Ziel der geplanten Maßnahmen ist es, Wasser länger in der Landschaft zu halten, den ökologischen Zustand der Wulbeck zu verbessern, Treibhausgasemissionen aus dem entwässerten Moor zu senken und Lebensräume für moortypische Arten zu schaffen.

Zunächst sollen Untersuchungen, Planungen und ein geordnetes Beteiligungsverfahren starten. Anschließend sollen im Rahmen eines Flurbereinigungsverfahrens die Besitzverhältnisse möglichst so neu geordnet werden, dass auf größeren Flächen Maßnahmen zur Wiedervernässung umgesetzt werden können.

Der Soll-Zustand soll wie hier in der Hannoverschen Moorgeest aussehen.
Marcel Hollenbach

„Mit dem Oldhorster Moor nehmen wir die nächste große Moorfläche in der Region Hannover in den Blick. Damit machen wir beim Klimaschutz und beim Schutz unserer Gewässer einen großen Schritt nach vorne: Intakte Moore sind riesige CO2-Speicher. Werden sie entwässert, kehrt sich diese Wirkung um: Der Torf zersetzt sich und setzt Treibhausgase frei. Nur wenn wir unsere großen Moore renaturieren, können wir klimaneutral werden. Gleichzeitig hilft die Wiedervernässung im Oldhorster Moor dabei, den Wasserhaushalt im Quellbereich der Wulbeck zu stabilisieren und ihren ökologischen Zustand langfristig zu verbessern“, erklärt Jens Palandt, Erster Regionsrat sowie Umwelt- und Klimadezernent der Region Hannover.

Das Oldhorster Moor ist heute in weiten Teilen entwässert. Auf großen Flächen steht Moorwald, zudem durchziehen Gräben das Gebiet. Dadurch wird kaum Wasser zurückgehalten. Der Torfkörper trocknet aus und zersetzt sich. Im Gesamtgebiet entstehen dadurch derzeit rund 9600 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Das entspricht nach Angaben der Region dem jährlichen Ausstoß von rund 3500 Pkw.

Gleichzeitig gibt es im Oldhorster Moor seit vielen Jahren großes Engagement für Moor- und Naturschutz. Allein in der Saison 2025/2026 entfernten Ehrenamtliche bei 17 sogenannten Entkusselungsterminen junge Gehölze. Auch die Region Hannover hat in den vergangenen Jahren Flächen im Kernbereich des Moores erworben, zuletzt rund 60 Hektar. Teilflächen befinden sich deshalb bereits in einem naturnahen Zustand. Dieser Zustand soll künftig möglichst für den Großteil des Moores erreicht werden.

„Ein Moor funktioniert nur dann als Moor, wenn der Wasserstand stimmt“, sagt Dr. Martha Graf, projektverantwortliche Moorexpertin in der Unteren Naturschutzbehörde der Region Hannover. „Im Oldhorster Moor ist diese natürliche Schwammfunktion stark gestört. Gleichzeitig sehen wir dort seit Jahren, wie viel Menschen vor Ort für diesen besonderen Lebensraum tun. Dieses Engagement ist eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte.“

Geplant ist unter anderem, Gräben zu verfüllen, Staustellen und Verwallungen zu bauen und die Ortsentwässerung aus Neuwarmbüchen umzuleiten. Die Maßnahmen sollen so geplant werden, dass für angrenzende Siedlungen und landwirtschaftlich genutzte Flächen keine Nachteile oder Gefährdungen entstehen. Nach derzeitiger Einschätzung könnten durch das Projekt jährlich rund 6200 Tonnen CO2-Äquivalente vermieden werden. Das entspricht ungefähr den jährlichen Emissionen von 3000 Benzin-Pkw.

Die Region Hannover setzt nach eigenen Angaben auf eine frühzeitige und umfassende Beteiligung. Erste Termine haben bereits stattgefunden, darunter Abstimmungen mit dem Unterhaltungsverband Wietze, Landwirten sowie Vorstellungen in Fachausschüssen in Burgdorf, Burgwedel und Isernhagen. Im Juni sollen Informationsveranstaltungen für Eigentümer starten. Für betroffene Grundstücke sind verschiedene Modelle vorgesehen. Flächen können verkauft werden, alternativ kommen Gestattungsverträge oder Flächentausche infrage.

„Niemand wird vor vollendete Tatsachen gestellt, denn Moorrenaturierung gelingt nur mit den Menschen vor Ort. Wir haben in den vergangenen Jahren in anderen Mooren bereits Erfahrungen gesammelt und sind mit Transparenz und früher Information zu fairen Lösungen für die Eigentümer*innen gekommen. Wir wollen erklären, zuhören und die nächsten Schritte gemeinsam sauber vorbereiten“, sagt Palandt.

Im Jahr 2026 stehen zunächst Information, Untersuchungen und Monitoring im Mittelpunkt. Aktuell läuft eine hydraulische Studie zur Umleitung der Ortsentwässerung aus Neuwarmbüchen. Außerdem sollen ab 2026 Wasserstände im Moor gemessen werden. Ab 2027 sollen die Wiedervernässungsmaßnahmen weiter geplant und Arbeitsstrukturen aufgebaut werden. Für 2028 ist die mögliche Einleitung eines Flurbereinigungsverfahrens vorgesehen. Wasserrechtliche Genehmigungsverfahren könnten ab 2028/2029 folgen. Größere Wiedervernässungsmaßnahmen könnten ab 2030/2031 beginnen.

Ein konkreter Kostenrahmen soll nach Vorliegen der hydrologischen Gutachten und der Maßnahmenplanung vorgelegt werden. Bis dahin prüft die Region Hannover auch, ob Fördermittel von Bund oder Land genutzt werden können.

Das Oldhorster Moor ist ein weiterer Baustein der Moorstrategie der Region Hannover. Bereits seit Jahren arbeitet die Region daran, Moore wiederherzustellen und damit natürlichen Klimaschutz, Wasserrückhalt und Artenvielfalt zu verbinden. Ein zentrales Projekt ist LIFE+ Hannoversche Moorgeest. Seit 2012 stellen das Land Niedersachsen und die Region Hannover gemeinsam das Otternhagener, das Helstorfer, das Bissendorfer und das Schwarze Moor wieder her. Unterstützt wird das Projekt durch EU-Fördermittel. Insgesamt geht es um 2243 Hektar Fläche. Das Projekt soll 2027 abgeschlossen werden.

Im Jahr 2026 ist zudem mit RePeat ein weiteres großes Moorprojekt angelaufen. In den kommenden Jahren sollen drei Moorgebiete in acht Regionskommunen wiederhergestellt werden. Das Projekt hat ein Gesamtvolumen von 34 Millionen Euro. Davon trägt die Region Hannover 12 Millionen Euro, weitere 12 Millionen Euro kommen vom Land Niedersachsen als Projektpartner, 10 Millionen Euro steuert die EU bei. Hinzu kommen regionseigene Maßnahmen im Toten Moor.

Mit dem Investitionsprogramm Klima hat die Region Hannover langfristig Mittel für Moor- und Gewässerrenaturierung gesichert. Bis 2035 stehen 82,5 Millionen Euro zur Verfügung. Ziel ist es, natürliche Kohlenstoffspeicher in der Region zu sichern, wiederherzustellen und die Landschaft besser auf Trockenperioden und Starkregen vorzubereiten.

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